CeBIT 2011 in Hannover

Letzte Woche habe ich wie jedes Jahr wiedereinmal die CeBIT besucht – als einer der Menschen, die keine 35€/Ticket bezahlen. In den Medien wurde die CeBIT 2011 in den höchsten Tönen gelobt, sei es vor, während oder nach Ende der CeBIT. Die Firmen, die zu Besuch in Hannover auf dem Messegelände waren seien mehr als zufrieden hieß es. Der Andrang sei größer als in den vergangenen Jahren und die Auftragsbücher übervoll. So die Medien wie die Tagesschau im Ersten, Fachzeitschriften wie die ct und Tageszeitungen wie die NP oder die HAZ.

Für Leute, die rein beruflich auf der CeBIT waren, mag dieses Statement stimmen. Auch für die vielen internationalen großen und kleinen Unternehmen, die einen Stand auf der CeBIT hatten und sich gut verkaufen konnten mag das zutreffen. Allerdings weniger für Schüler, Studenten und Privatpersonen allgemein.
Die großen Themen der CeBIT 2011 waren:

  • Cloud Computing
  • 3D (Aufnahme und Wiedergabe)

und wenige kleinere Neuerungen.
Von einigen Firmen wurden Cloud Computing-Konzepte vorgestellt. Unter anderem haben Fujitsu Siemens und HP recht anschaulich erklärt, wie Cloud Computing generell funktioniert und welche Vorteile es bietet – wer wirbt auch um ein Produkt oder eine Dienstleistung und liefert die Gegenargumente gleich mit? Allerdings ist abgesehen von einigen Grafiken und Präsentationen nichts direkt gezeigt worden – wie auch bei Online-Produkten.

Allerdings wäre es interessant gewesen, das Konzept zur Leistungsverteilung auf Smartphones und mobilen Datenendgeräten von HP erklärt und demonstriert zu bekommen, was neben HPs „e-Printing“ wesentlich revolutionärer erscheint, da HPs „e-Printing“ im Prinzip neuer Technik ein altes Prinzip aufgesetzt zu haben. Während es seit Jahren bzw. mittlerweile Jahrzehnten bereits das Fax gibt, welches von überall erreichbar Dokumente versenden und empfangen kann, muss HP das Rad neu erfinden, um dieselbe Funktionalität Netzwerkdruckern zu vererben. Natürlich hört sich „e-Printing“ spannender und neuer an als das allseitsbekannte Fax, bietet aber aus meiner Sicht keine sensationelle Neuerung oder Verbesserung. Einem Drucker eine e-Mail-Adresse zu geben und ihn mit den Funktionen auszustatten, einen Druck von überall auf der Welt mit einem per e-Mail gesendeten PDF oder Worddokument oder einem JPEG auszuführen ist meiner Meinung nichts als ein digitales Faxgerät, was nur Netzwerkdrucker von HP teurer macht und letztendlich keinem einen Vorteil bietet – es sei denn, man druckt gerne etwas am anderen Ende der Welt aus. Den Nutzen darin sehe ich nicht. Dahingegen bietet HPs Leistungsverteilung für mobile Datenendgeräte einen erheblichen Vorteil: Man benötigt mehr Leistung? Auf in die Cloud, wie die Microsoft-Werbung es so schön vorgibt. Als Anwärter auf den Trendspruch des Jahres hat dieser Werbeslogan durchaus Potential. Allerdings setzt Cloud Computing auf mobilen Datenendgeräten eine dauerhafte, unterbrechungsfreie  Internetverbindung vorraus – was durch den geringen Ausbau von UMTS und LTE außerhalb von Ballungsgebieten bzw. Großstädten zum Problem wird. Außerdem werden wesentlich leistungsstärkere Akkus bzw. sparsamere Smartphones oder Tablet-PCs dazu benötigt, da man sonst mit einem aktuellen Smartphone nach 8 Stunden spätestens wieder an eine Steckdose oder einen PC zum Laden muss. Somit vorwiegend sinnvolle aber noch nicht realisierbare Konzepte. Dafür, dass IBM den PC erfunden hat muss ich sagen war deren Präsenz mit einem winzigen Stand + Poster + Ansprechpartner auf der CeBIT 2011 relativ dürftig.

 

 
Der Mitsubishi-TV mit 3D-Effekt ohne Brille –
aus meiner Sicht ein Flop

Zur hoch gepriesenen und nach dem 3D-„Hit“ des Jahres 2010 „Avatar“ scheint die Film- und Medienindustrie wiedermal motiviert, sich an 3D-Technik bei bewegten Bildern zu wagen. Was in den 80er-Jahren schon mit rot-grüner Pappbrille möglich war, wird jetzt versucht, ins Heimkino zu bringen. Hersteller wie Samsung, LG oder Panasonic bieten bereits erste 3D-fähige LCD- bzw. LED-Fernseher zu Preisen unter der 1.000€-Grenze an – allerdings mit 3D-Brillen. Wer setzt sich zum Film gucken auf dem gemütlichen Sofa extra eine unbequeme Brille auf, um davon nach 10-20 Minuten irre Kopfschmerzen zu bekommen, da die Bildfolge zu gering ist? Die aktuellen 3D-Fernseher bilden 2-3 Bilder/Sekunde gleichzeitig übereinander ab, um den gewünschten 3D-Effekt zu erzielen. Das menschliche Auge benötigt allerdings mindestens 30-40 Bilder pro Sekunde, um einen flüssigen Bewegungsablauf zu erkennen. Da dies momentan noch nicht möglich ist, klagen viele Kinobesucher oder 3D-Tester über starke Kopfschmerzen oder einen höheren und schmerzhaften Druck im Auge. Kein Wunder! Das Auge muss bei fehlenden Bildern Bilder „hinzurechnen“, damit der Bewegungsablauf flüssig ist und das Hirn diesen problemlos verwerten kann. 


Auf der CeBIT war das der zweite Hauptpunkt. Meiner Meinung nach sind alle gezeigten Produkte noch wesentlich zu verbessern, bis man so etwas seinem Auge antun kann. Toshiba hat beispielsweise den Mitsubishi-TV vorgestellt, bei dem keine 3D-Brille mehr nötig sein soll, um dreidimensional sehen zu können. Das selbe bzw. ein ähnliches Prinzip verwendet auch Nintendo im neuen Nintendo 3DS. Ich konnte allerdings kein echtes 3D-Bild erkennen. Vielmehr sahen die Displays bei Kopfbewegungen wie Hologrammkarten, die versuchen, eine dritte Dimension auf einem zweidimensionalen Medium darzustellen.

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Der McLaren-Mercedes auf der Teststrecke



Mal sehen, was die CeBIT 2012 für Neuerungen mit sich bringt – hoffentlich mehr auch für Privatanwender interessante Produkte und Lösungen.
Vodafone hat – für alle Jungs unter uns – den McLaren-Mercedes auf einer Teststrecke auf dem Messegelände vorgeführt. Aber weit und breit kein Pavillion von Vodafone, den man auch als Fachbesucher betreten darf.


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ASUS „Smartbook“

Eine der wenigen interessanten Stationen auf der CeBIT 2011 war der Stand von ASUS, die neue eee-PCs und Tablet-PCs vorgestellt haben und nebenbei die OLED-Technik auf einem flexiblen, dehnbaren Display präsentiert haben – allerdings nur als Dummy. Dieses Display soll laut ASUS auf die Bedürfnisse anpassbar sein und die täglich genutzten Geräte wie u.a. Smartphone, Wecker, Tablet-PC ersetzen. Ich frage mich nur, wo der Computer an dem wirklich sehr flachen Displayrahmen sitzen soll und wie alltagstauglich so ein Gerät wirklich ist. ASUS, ich warte bis etwas vergleichbares auf den Markt kommt und teste es ausführlich, da ich die Idee genial finde, alles zu vereinen und den Bedürfnissen anzupassen. Es gäbe kein ständiges Scrollen auf Internetseiten, wenn man im Bus sitzt und das Smartphone nutzt, es wäre extrem praktisch, alles im „winz-Format“ dabei zu haben und es komfortabel unterwegs nutzen zu können wäre mir auch wichtig. Was bringt einem das tollste Smartphone wenn es zu langsam ist, ein schlecht auflösendes oder kleines Display hat? Hoffentlich gibt es (auf der CeBIT 2012 schon?) Prototypen dieser Art „Smartbook“ (Smartphone und Notebook in eins, eigener Neologismus).

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Das Fraunhofer Institut und ihr digitaler Musiklehrer

Für Musiker und die, die welche werden wollen hat das Fraunhofer Institut eine geniale Neuerung vorgestellt. Musiker aufgepasst! Ich habe es auch erst geglaubt, als ich selbst davor stand. Es ist eine Kombination aus Simulationsspielen wie z.B. Guitar Hero, einem echten Instrument und einem sehr komplexen aber leicht verständlichen Notations-, Tabbing- und Soundsimulationsprogramm (ähnlich wie MIDI oder RSE), was das Fraunhofer Institut auf der CeBIT 2011 vorgestellt hat. Es laufen – wie bei Guitar Hero – farbige Markierungen in den Noten und Tabs mit, während man auf dem Instrument (vorgestellt: E-Gitarre und E-Piano) spielt. Das Zusammenspiel aller Komponenten läuft flüssig und ohne Aussetzer. Wie teuer das Ganze bei Markteinführung ist, ist noch unklar. Fakt ist: Ich bin fasziniert und nicht abgeneigt, so etwas anzuschaffen, anstatt stupide, klobige Tasten auf einer Guitar Hero-„Gitarre“ zu drücken und dafür über 50€ auszugeben. Mit einem solchen Programm wird das Lernen neuer Stücke oder die grundsätzliche Beherrschung des Instruments sehr vereinfacht und gefördert. Anders als bei Simulationsspielen, wie Guitar Hero oder Ähnliche, die letztendlich nichts mit dem echten Instrument zu tun haben, trotzdem aber ihren Reiz bei netten Abenden mit Freunden haben.

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Gestensteuerung des Fraunhofer Instituts

Ebenfalls vom Fraunhofer Institut entwickelt ist die bewegungsempfindliche Jacke, die präsentiert wurde. Sie funktioniert ähnlich wie Microsofts Kinect zur Gestensteuerung (seit Kurzem für die XBOX 360 erhältlich). Die Bewegungen der Person, die diese Jacke trägt, werden auf dem Display synchron mit Curser nachvollzogen und durch unterschiedliche Bewegungsabläufe werden bestimmte Funktionen (z.B. Rechtsklick, scrollen etc.) des Computers nutzbar. Eine geniale Entwicklung, wie ich finde. Wenn es bezahlbar wird, bin ich geneigt, verlässlich funktionierende Varianten der Gestensteuerung in meine Heimumgebung zu integrieren.

Eingefügte Bilder  sind vom Autor erstellt und unterliegen dem Copyright. © by nugaxstruxi.

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