Ringe schmieden selbstgemacht

„Ein Ring…sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben, und ewig zu binden…“ – wer kennt diese Passage aus J. R. R. Tolkiens „Herr der Ringe“ nicht. Das Thema hat allerdings nur wenig mit den Ringen aus Mordor, und nichts mit der Sage um Frodo und seine Gefährten gemeinsam.

Es begab sich zu der Zeit, dass es weihnachtete. Meine überaus kreative Freundin hat eine geniale Geschenkidee gehabt: Einen Workshop zum Ringe selbst schmieden. Klar habe ich mich gefreut, aber so richtig was drunter vorstellen konnte ich mir noch nicht. Klar, mir macht es Spaß, mich handwerklich zu betätigen – aber eigentlich mit Dingen, die ich mir selbst aussuche. Neugier und Skepsis schwangen beim ersten Vortermin mit, aber die Neugier war wesentlich größer.

Der erste Termin war im Prinzip eine Mischung aus Beratungs- und Besprechungstermin, bei dem unsere Vorstellungen mit denen der Kursleitung abgesprochen und unsere Wünsche in Bezug auf Form, Material und Dicke des  Rings notiert wurden. 
Ein Paar Wochen später war es nun so weit: Der Tag des Ringeschmiedens war angebrochen. Ein Samstag. Sonnig, schwül und wirklich heiß (gefühlt waren es bestimmt 100°C, wirklich waren es um die 30°C) – nicht grade die besten Startbedingungen, wenn man Hammer, Amboß und heiße Glut im Kopf hat – genau wie in den mittelalterlichen Filmen.

Wir wurden freundlich empfangen und durften nach einer kurzen Einleitung schon starten. 
Zum Glück gab es zwar einen Amboß und einen Hammer (einen Gummihammer) – aber keine lodernde, heiße Glut. Zudem durften wir uns selbstständig an der „Wasserbar“ bedienen, um nicht einzugehen bei dem Wetter.

925er-Silber-Rohlinge © 2013 by nugaxstruxi
Die Silber-Rohlinge waren mit Tesafilm auf Karteikarten geklebt – bis auf eine etwas unterschiedliche Dicke (Damen- und Herrenring) glichen sich die Silberstreifen vollständig. Ein Ring war aus diesem Stück Edelmetall selbst bei viel Phantasie nicht zu erkennen.

Die ersten beiden Bearbeitungsschritte: Rundschlagen und auf Spannung Rundschlagen
© 2013 by nugaxstruxi

Zuerst ist nun das erste grobe Rundschlagen an einem Rundstab mit Rillen für die Ringgrößen angesagt gewesen. Mit leichten Schlägen vom Gummihammer bewegt sich das Silber langsam in eine Rundform – allerdings noch mit einem Spalt zwischen den beiden Enden. Dieser wird durch leichte Schläge auf dem Amboß minimiert und das Material immer weiter auf Spannung gebracht. Runder sieht der Ring bis dahin aus – aber noch nicht wie ein Schmuckring, eher wie ein Verbogener Schlüsselring.



Verlöten der beiden Enden mit Silberkugeln bei ca. 600°C © 2013 by nugaxstruxi

Damit der Spalt geschlossen wird, wurden kleine Silberkugeln in den Spalt gelegt und mit einer ca. 600°C heißen Flamme eingeschmolzen. Sehr interessant, welche Farben die Flamme während des Vorgangs angenommen hat. Vorher wurden die Ringe kurz in eine Salzlösung gelegt, um den Ring porenrein zu verschließen.



Der Lötvorgang und die oxidierten und leicht oval verformten Ringe © 2013 by nugaxstruxi
Beim Abkühlen der gelöteten Ringe wurde sehr schnell deutlich, warum die Ringe anschließend in verdünnte Schwefelsäure gelegt werden: Die Ringe sahen aus, als wären es antike Fundstücke. Verbeult, eiförmig und irgendwie unschön und pickelig sahen die werdenden Ringe aus, bevor sie ins Schwefelsäurebad gelegt wurden.

Die ersten Einheiten an der Schleifmaschine © 2013 by nugaxstruxi
Nach ca. 10-15 Minuten in der Schwefelsäure können die Ringe aus dem Bad genommen und abgetrocknet werden. Der Kontakt mit Augen, Nase oder weiteren Schleimhäuten sollte  bei Arbeit mit Säuren tunlichst vermieden werden. Der Folgeschritt war die Arbeit an der Schleifmaschine. Dort wurde (begonnen mit 140er-Körnung, beendet mit 180er-Körnung) der Ring von außen abgeschliffen. Langsam ist der Ring in seiner Finalform zu erahnen – und auch die Haptik wird deutlich angenehmer durch diesen Vorgang. Waren vor dem Schleifvorgang noch viele Unebenheiten zu spüren, wurden sie durch diesen Vorgang minimiert. Ähnlich wird auch die Innenseite des Ringes abgeschliffen. Wichtig dabei ist, dass man auch die Ränder und Rundungen des Ringes beim Bearbeiten erwischt.

Die Stanze und die rund gepressten Ringe © 2013 by nugaxstruxi
Nun folgt die Stanzmaschine. Vorher waren die Ringe noch einmal anzuprobieren, da durch die Stauchung des Ringes in der Stanze der Ring schrittweise verkleinert werden kann, bis man die passende Ringgröße heraus hat. Danach folgt ein weiterer Schleifvorgang – diesmal mit 200er-Körnung. Gefühlt hätten wir auch eine normale Papierseite zum Schleifen verwenden können. Die feine Körnung ist mit der Hand wesentlich schwerer zu erfühlen, als die des 140er-Schleifpapiers. 

Schleifvorgang 2 mit Zwischenergebnis – Die Ringe sind immer deutlicher zu erkennen
© 2013 by nugaxstruxi
Nach dem weiteren Schleifgang sind die Ringe schon um einiges wertiger geworden. Auch innen steht die Politur mit feiner Polierpaste und Politurmaschinen – ähnlich fein, wie die Schleif- und Bohrutensilien eines Zahnarztes. Die Reste der Polierpaste können leicht abgeschliffen werden, sodass ein wirklich schöner, aber noch schlichter Ring entsteht.


Einsägen der rundlaufenden Rille © 2013 by nugaxstruxi
Damit der RIng nicht nur ideell, sondern auch optisch was hermacht, haben wir uns für eine rundlaufende, innen hochglanzpolierte Rille entschieden, die in beide Ringe mit der Laubsäge vorsichtig eingesägt und durch Feilen etwas vertieft wird. Im Anschluss daran wird die Rille von innen auf Hochglanz poliert. Nur noch die letzten Handgriffe fehlen, um die Ringe optisch noch etwas „aufzuhübschen“. Zuerst wird eine Seite der Rille pro Ring abgeklebt und die Oberfläche, die nicht abgeklebt ist, wird durch eine Art sehr grobes Schleifpapier eismatt, die andere, vorerst abgeklebte Seite wird glanzmattiert. Nach mehreren, angestrengten Durchgängen wird die Rille erneut poliert, um „Ausrutscher“ auszubügeln.

Die Ringe sind – soweit es als Laie möglich ist – vollendet. EInzig das Einfassen eines roten, 3mm großen Saphirs in die Mitte der umlaufenden Rille und der Echtheitsstempel, wie auch die Gravur auf der Innenseite werden vom Fachmann/der Fachfrau durchgeführt. Die Ringe werden eingeschickt, sodass man sie nach wenigen Wochen fertig gefasst, graviert und mit Echtheitstempel versehen zurück erhält.

Erstaunlich finde ich, dass nicht einmal die Naht vom Löten mehr erkennbar ist und aus einem einfachen Stück unförmigem Metall ein wunderschönes Schmuckstück geworden ist.

Finales Foto der Ringe vor Gravur und Einfassen des roten Saphirs in den Ring meiner Freundin
© 2013 by nugaxstruxi

Ich möchte an dieser Stelle vor allem meiner Freundin für dieses wirklich einmalige Geschenk, den erfahrungsreichen Workshop und den unglaublich interessanten Tag danken. Zudem kann ich die Hobbygoldschmiede Oliver Kargus unbedingt weiterempfehlen – nicht nur für baldige Ehepaare oder Verlobte, sondern auch für Leute, die einfach mal etwas selbst in die Hand nehmen und (fast ganz) eigenständig fertigstellen wollen. Ihr könnt wählen zwischen den Materialien Silber (925er), Gold, Weißgold und Platin. Die Festigkeit der Materialien ist in dieser Reihenfolge aufsteigend zu bewerten, wobei sich zwischen den einzelnen Materialien enorme (!!!) Preisunterschiede auftun, die schnell ein Vielfaches des nächst-günstigeren Materials erreichen können.
– nugaxstruxi

Eingefügte Bilder  sind vom Autor erstellt und unterliegen dem Copyright. © by nugaxstruxi.

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