Apps und mobile Daten – was brauche ich wirklich?

Wiedermal ist es soweit: Das Smartphone wird langsamer, einige Apps starten mit Verzögerung, brechen bei Verwendung der App ab oder starten gar nicht erst. Kein freier Speicherplatz mehr für Musik oder Fotos, von Videos ganz zu schweigen. Zu Beginn waren es ein paar wenige, zu denen man noch 5-10 hinzugeladen hat, um einzelne Anwendungen auch mobil erreichbar zu machen, unterwegs „produktiv“ sein zu können. Lass die Hälfte Apps wie Evernote, Dropbox, ein spezieller Dateiexplorer und ein, zwei populäre Spiele gewesen sein, die später durch den Lieblingsbrowser, ggf. Social Networks, ein wenig nützlichen Kram und eine oder mehrere sinnlose aber dennoch lustige App (z.B. das Lichtschwert und die Indiana Jones-Peitsche) dabei gewesen sein. Schon sind meist mehrere Gigabyte an Speicher belegt – die nicht mehr für andere Dinge genutzt werden können.
Um unterwegs in Bus, Bahn und vielleicht beim Laufen noch den passenden Soundtrack dabei zu haben, sind natürlich einige Gigabyte von der Lieblingsmusik belegt und da man auch schicke Wallpaper haben möchte, nehmen diese ebenfalls mit den historisch gewachsenen Kameraaufnahmen einen weiteren großen Teil des Smartphones ein.
Jetzt ist das neue Album des Lieblingsinterpreten frisch erschienen, wurde sofort geladen und nimmt die nächsten 190 Mb ein, dazu kommt das super-witzige, schon zig mal gesehene Video von der Katze, die tanzt, dem Hund, der Motorrad fährt oder einfach Upps die Pannenshow für die Hosentasche und zu guter letzt die Videos der letzten Erlebnisse mit Freunden aus Heidepark und Co. – doch was tun, wenn man doch noch etwas aufnehmen möchte, es eine neue, angesagte oder einfach (zur Abwechslung) sinnvolle App gibt, die man unbedingt aus dem Store laden möchte?
Die Apps braucht man ja (und wenn nicht, dann genau dann, wenn sie grade deinstalliert wurden), die Hintergründe auch, von Fotos kann man sich schwer trennen weil es einmalige, persönliche Aufnahmen sind, die man mit etwas bedeutsamen verknüpft und die Musiksammlung mag man ungern schmälern, um im Zug nicht von genau dem einen Song einen Ohrwurm zu haben und an der einen Textpassage nicht mehr weiterzuwissen.
Aber neue Daten generieren möchte man dennoch. Bilder Videos, spezielle Apps, coole neue Spiele und was es nicht alles gibt. Doch der Mensch aus dem Smartphone-Zeitalter ist eine wahre Diva geworden: Statt digital zu entrümpeln hört man immer wieder „das nächste mal nehme ich ein iPhone mit 32 Gb/64 Gb!“ Oder „die Speicherkarte ist schon wieder voll, dabei habe ich kaum was installiert […]“ oder Ähnliches. 
Niemand möchte sich vom gewohnten Luxus verabschieden, keiner möchte in der jeweiligen Situation genau diese App oder die Datei nicht griffbereit haben, aber dennoch wollen sie alle dasselbe: Mehr Speicherplatz! Aber leider bedeutet das auch, dass ich immer weniger Überblick über die installierten Applikationen, meine mobil verfügbare Musik und die Fotos, die ich unterwegs mitführe, habe.
Leider zähle ich zum Teil ebenfalls zu diesen Leuten, die den Fotos der letzten Erlebnissen, der mobilen Diskografie oder einzelnen Apps nicht den Rücken kehren und sie entfernen möchte, obwohl ich mich oft selbst drüber aufrege, was ich alles mittlerweile auf dem Smartphone gesammelt habe.
Doch warum konnten wir vorher auch ohne Apps leben, mit reinen Handys ohne viel Schnickschnack und nur mit polyphonen oder sogar monophonen Klingeltönen auskommen? 
Ein stückweit hat die Abhängigkeit ihren Ursprung im Marketing. Werbespots mit glücklichen Menschen, die von sich und der malerischen Umgebung mit ihren Liebsten das perfekte Foto schießen, die in Clubs sofort Shazam zücken, wenn sie einen neuen Song das erste mal hören, um ihn sofort via iTunes, Google Play oder Amazon zu kaufen oder mindestens dafür vorzumerken, solche Szenen sind wünschenswert, von der Gesellschaft als gut anerkannt, von den Medien als Notwendigkeit für ein „soziales Leben“ deklariert und von den Herstellern durch immer neue Features ergänzt.
Doch muss ich wirklich immer alle Apps dabei haben oder reicht es, wenn ich sie bei Bedarf, neudeutsch „on demand“, lade? 
Theoretisch bei dem meisten schon, praktisch leider nicht immer. Die mobilen Daten-Raten würden es theoretisch hergeben, das meiste bei Gelegenheit zu laden, ohne groß Zeit zu verlieren, doch herrscht hier eine neue, bis vor wenigen Jahren unbekannte Angst vor: 
Ich könnte ja vom Provider gedrosselt werden und muss dann den Rest des Monats mit 64 kbit/s auskommen. Für die meisten Applikationen ist das selbst im Betrieb nicht ausreichend, um flüssig damit zu arbeiten, es senkt die Freude an der Technik und hindert einen vielleicht genau den nächsten Song zu laden, den man morgens im Radio gehört hat oder ein Spiel zu laden, was der beste Freund oder die beste Freundin einem empfohlen hat. Außerdem kann der Schnappschuss des Jahrhunderts vielleicht nicht gemacht werden, weil der Speicher voll ist.
Mittlerweile habe ich mir Reminder im Kalender gesetzt, um das Smartphone beizeiten immer mal wieder zu verschlanken. Ich führe auch nicht alle Apps mit mir rum, die ich jemals geladen habe – schon aus Sicherheitsgründen, denn jede App, die ich mehr auf dem Smartphone habe, kann theoretisch betrachtet auch ein Sicherheitsrisiko mehr bedeuten. Dennoch ist die Anzahl an Apps (nützlich wie auch unnütz), die ich permanent installiert habe, mit der Zeit rapide gestiegen. Tut euch selbst den Gefallen und hebt nicht alles, was ihr jemals gefunden oder heruntergeladen habt für ewig auf. Dir meisten Medien und Anwendungen sind mittlerweile innerhalb kürzester Zeit wieder verfügbar und die Fotos und Videos würde ich persönlich ungerne nur auf dem Smartphone speichern, da sie dort leicht abhanden kommen können, sollte das Gerät mal den Geist aufgeben oder ich es verlieren.
Wie steht ihr dazu? Seid ihr Jäger und Sammler oder filtert ihr wirklich nach dem, was ihr nutzt und was nur unnötig Speicher belegt? Schreibt’s in die Kommentare!

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