Kolumne: Trendige Musikenteignung

Es gibt mittlerweile etliche Streaming-Portale und Cloud-Dienste wie Amazon Prime Music, Apple Music, Deezer, Spotify und wie sie sich nicht alle schimpfen. Das Konzept: Uneingeschränkter Musikgenuss für monatliche monetäre Bindung. Wirtschaftlich ist es (scheinbar) für beide Seiten, den Käufer und den Verkäufer – aber halt! Man kauft ja gar nichts für das Geld! Es ist vielmehr eine Leihgabe auf Zeit, die Erlaubnis, die bereitgestellte Musik konsumieren zu dürfen. Was ist, wenn die Internetverbindung mal nicht da ist? Na klar, Du kannst Dir Playlists erstellen und ganze Alben herunterladen. Aber nur in der App. Nur von dem Anbieter.

Finde ich gewaltig ungut. Warum? Es ist ganz einfach. Früher hat man sich CDs und davor Audiokassetten und noch davor Singles und LP´s gekauft, ins Regal gestellt und konnte sie hören, so oft man lustig war. Heute geht der Trend zum Musikleasing. Wie bei einem Leasingfahrzeug: Du bezahlst regelmäßig und bekommst dafür das „worry-free-Paket“ ohne Dir Gedanken über Werkstatt, evtl. das nächste Album des Lieblingsinterpreten oder neuste Songs aus den Charts machen zu müssen. Kündige ich einen Leasingvertrag – oder eben bei Deezer, Spotify und Co., habe ich nichts mehr von dem, das ich vorher genutzt habe, was mein Alltagsbegleiter geworden ist. Wie beim Auto: Kein Restwert. Gut, ein Equivalent für die Kosten für Beschädigungen am Fahrzeug gibt es in diesem Konstrukt nicht, aber es bleibt einfach nichts nach der Zeit über.

Ich nutze solche Dienste auch – aber eher, um mal etwas Neues kennenzulernen, um neugierig sein zu dürfen und um mir mal eine von Amazon und Co. vorgekaute Playlist andrehen zu lassen. Einfach, um mal eben entspannt was zu hören. Allerdings werde ich von meiner eigenen Musiksammlung nicht weggehen. Warum?

  • Independent-Künstler: Wo finde ich sonst Musik von Freunden und kleinen, lokalen Bands?
  • Unabhängigkeit vom Markt: Ich will mir von keinem Anbieter vorschreiben lassen, wann ich was wann wie worein runterzuladen habe. Ich will flexibel und gleichzeitig losgelöst sein vom Zwang der Streamingbranche.
  • Beständigkeit: Wer sagt mir, dass Anbieter oder das Angebot noch lange Bestand haben?
  • Meine Musik ist meine Musik: Ich möchte entscheiden können, welche Informationen über Musik ich mit jemandem teile und mit wem nicht. Das fällt – Firmenpolicy hin oder her – bei Streamingdiensten leider vollständig weg. Es gibt immer Logs.
Mit dieser Einstellung mag ich etwas konservativ rüberkommen. Ich kenne Leute, die bereits ihre vollständigen Diskographien großer Künstler verscherbelt und gelöscht haben, weil sie meinen „gibt´s ja alles in der Cloud.“.Wobei ich mich dann frage…Warum haben diese Leute damals die Alben gesammelt und nicht einfach darauf gewartet, dass der Song im Radio kommt?
Muss jeder letztendlich selbst entscheiden, ob er Musik in vorgekauter Qualität über einen leasingähnlichen Streamingdienst bezieht oder wie ich lieber seine eigene Musiksammlung – auf welchem Medium auch immer – behält und wahrt.
Und, wie denkst Du darüber? Ab in die Cloud oder die Cloud als zweites Standbein beim Musikhören? Schreib´s in die Kommentare!

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