Networking: PoE++ der Workplace-Power-Standard

Es steht ein neuer Standard in der Stromversorgung über das Netzwerk vor der Tür – und das obwohl für PoE und seinen kräftigeren Bruder PoE+ noch lange nicht alle Anwendungsbereiche ausgeschöpft worden sind. Parallel zur spannenden Entwicklung im Wireless-Umfeld, wo zunehmend immer höhere Datenraten mehr Leistung erfordern, ist eine Erweiterung des PoE-Standards durchaus wünschenswert. Der neue IEEE-Standard im Entwurfsstadium wird u.A. abgekürzt mit PoE++ und scheint viel Potential zu haben. Doch was bringt der neue Standard und wofür ist er gedacht? 

Inhalt

  1. PoE++ als neuer Standard
  2. Schreibweisen und Standardisierung
  3. Geplante Verwendung

 

PoE++ als neuer Standard

Die Leistungsgrenzen von PoE+ werden teils noch nicht ausgereizt – da steht schon der nächste Standard auf der Türschwelle. Wie kann es anders sein – es wird mehr Leistung unterstützt. Liegt das Limit für Stromverbraucher aus dem Netzwerk bei PoE (IEEE 802.3af) noch bei max. 15,4W brutto bzw. 12,95W netto und bei PoE+ (IEEE 802.3at) bei 25,5W brutto bzw. 21,90W netto bei einem Wirkungsgrad von ca. 85%, bietet IEEE 802.3bt Leistungsreserven von 70-100 Watt. Zu den Leistungsklassen und vorherigen PoE-Standards kannst Du hier mehr lesen.

Schreibweisen und Standardisierung

Wie viele vorherige Standards erhält auch der IEEE-Standard 802.3bt Abkürzungen, um die Handhabung damit zu vereinfachen. So ist es üblich und je nach Herstellerangaben wiederzufinden unter den folgenden Bezeichnungen:

  • IEEE 802.3bt (Standardisierung)
  • PoE++
  • 4PPoE

Dabei steht das 4PPoE für die vier Aderpaare, die bei der Stromübertragung genutzt werden. Bei den vorherigen Standards PoE und PoE+ ist es nicht üblich gewesen, mehr als zwei Aderpaare für die Übertragung von Strom zu nutzen.

Momentan befindet sich der Standard noch in der Finalisierung und ist daher noch mit dem DRAFT-Tag versehen. Es sind also noch immer Änderungen am vorläufigen Standard möglich. Klare Empfehlung daher: Abwarten, bis der Standard eine weitere Verbreitung nach der Standardisierung durch die IEEE-Task Force erreicht hat und erst dann auf diesen Standard setzen. Vorherige Anschaffungen können mit dem später verabschiedeten Standard inkompatibel sein und daher später in Verbindung mit anderen Systemen unbrauchbar werden. Um Fehlinvestitionen und unnötige Aufwände für eine doppelte Implementierung zu vermeiden, sollte bis dahin mit den vorhandenen IEEE-Standards 802.3af und 802.3at gearbeitet werden.

Geplante Verwendung

Der neue Standard bietet durch das deutlich höhere Leistungspotential eine viel größere Bandbreite in der Verwendung als die bisherigen Standards  PoE oder PoE+. Neben der Speisung von Netzwerkgeräten mit höherer Leistungsaufnahme – wie z.B. 24- oder sogar 48-Port-Varianten von Switchen für die Etagenverteilung oder hochperformanten Access Points im Endausbau des 802.11ac WAVE2-Standards wäre es möglich, gesamte Workstations inklusive Monitor – oder Notebooks direkt mit Strom zu versorgen. Ein Beispielszenario wäre ein aktuelles Ultrabook oder MacBook mit USB-C-Ladefunktion, das über einen Adapter auch nur über das Netzwerkkabel geladen werden könnte. Auch habe ich erste Beleuchtungseinheiten über das Netzwerk mit Strom versorgt und über eine App gesteuert gefunden, die natürlich dann auch für größere Räume attraktiv werden könnten – und eine Steckdose für Strom auf Höhe von Zwischendecken überflüssig machen könnten.

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