2021 – here we come, bye bye 2020!

Im Jahr 2020 ist einiges passiert – viel mit medialer Aufmerksamkeit, aber auch viel nebenbei.

Was 2020 geschah

Im Jahr 2020 haben wir viel durchmachen müssen. Wir alle. Sei es die vielen Einzelhändler, Gastro-Betriebe oder die gesamte Unterhaltungsbranche – und alle Kinder, Eltern und die allermeisten Arbeitnehmer, sicher auch viele Arbeitnehmer, die sich der Existenzfrage stellen mussten, alle haben viel entbehrt.

Die Natur hat sich allerdings in vielen Fällen erheblich erholen können. Sei es zum Beispiel in Venedig oder das azurblaue Wasser der Meere. Die Natur brauchte eine Auszeit, quasi einen Reset.

Natürlich, es wurde deutlich weniger Auto gefahren öfter als vorher das Fahrrad als Vehikel gewählt. Sowohl der Arbeitsverkehr fand in vielen Branchen bedingt durch Kurzarbeit, Homeoffice und co. kaum mehr statt, aber auch Reisen sind weitestgehend eingeschränkt worden. Die gesamte Luftfahrt steht abgesehen von Frachtflügen für ca. ein Jahr still.

Die Entbehrungen hatten sehr wohl viele Vorteile, dennoch bleiben es Entbehrungen. Davon sind einige sicherlich für viele nachvollziehbar und werden als notwendig angesehen, einige wurden aber auch stark kritisiert. Und dann gibt es diese Entbehrungen, auf die man dauerhaft nicht verzichten mag. Das Reisen beispielsweise erweitert ungemein den Horizont, Unterricht und der hohe Bildungsstanddard beispielsweise ebenso. Doch vielleicht müssen wir alle zukünftig achtsamer damit sein, um lange davon zehren zu können.

Was 2020 bei mir geschah

Das Jahr fing eigentlich ganz passabel an. Nach langem Überlegen wurde ein Wohnmobil angeschafft, mit dem auch die ersten Ausflüge gut losgingen – hier und da war etwas zu machen, aber das ist bei einem gebrauchten Fahrzeug ja zu erwarten. Um Ostern rum blieb ich dann mit den Zehen in der Bettkante stecken und hab sie mir gebrochen. Durch Homeoffice kein großer Ausfall, aber eine Einschränkung. Nun gut, das Frühjahr ging, der Frühsommer kam – und der erste Lockdown begleitete uns alle. Doch der Sommerurlaub stand an, dann sollte ja alles durchgestanden sein – falsch gedacht! Die Tour durch Norwegen fiel aus, da die Grenzen geschlossen waren. Mit Sonderregelungen ging es dann alternativ mit viel Koordinationsaufwand nach Dänemark. Die Tour war schön, einige Veranstaltungen waren aufgrund eines Konjunkturprogramms der dänischen Regierung reduziert – und ein Wohnmobil bietet noch einiges an privatem Raum, wenn man reist als viele andere Unterkünfte. Im Herbst habe ich dann nach einigen irritierenden Momenten eine Augenklinik aufsuchen dürfen, da mein Sehfeld stark eingeschränkt war. Dabei denkt man nochmal ganz anders über Vieles. Zum Beispiel, wie sehr das Optische im Sprachgebrauch verankert ist. Ich erschrak etwas, als ich der Ärztin beim Verlassen der Klinik mit eingeschränktem Sehfeld und unklarem Ausblick (!) „auf Wiedersehen“ sagte. Man lebt bewusster, denkt anders und intensiver. Es hat eben alles nicht nur eine negative, sondern meist auch eine positive Seite.

Was 2020 uns gelehrt hat

Für viele von uns war 2020 ein Jahr der Entbehrungen – aber gleichzeitig auch die Erinnerung daran, wie wertvoll manches Alltägliche eigentlich ist. Sei es die große Vielfalt an Beschäftigungsmöglichkeiten von Sport über das nette Café nebenan bis hin zu Kunst, Konzerten und gemeinsamen Festen. Bisher war das genauso selbstverständlich für die Meisten von uns, wie unsere Freiheit, das hohe Gut der freien Meinungsäußerung und die Gleichberechtigung – egal bei was.

Und doch gab es genug Leute, die sich mit Maßnahmen zum Schutze des Allgemeinwohles nicht identifizieren konnten. Klar, manch einer stellt seine eigenen Interessen vielleicht über das Gemeinwohl, doch waren viele der Maßnahmen ein starker Einschnitt in bestehendes Recht, bekannte Gewohnheiten und die persönliche individuelle Entfaltung eines Jeden.

Neben den vielen Hauptschauplätzen der Politik, des öffentlichen Lebens und des Jahres der Einschränkungen gab es auch einige Nebenschauplätze. Etliche Personen, und Institutionen waren darin involviert, eine möglichst allgemeinverträgliche Lösung – auch wenn es nur eine Übergangslösung war – zu finden. Sicher ist es leicht, sich darüber zu beschweren, wie widersinnig manch Regelung für spezielle Situationen, Branchen oder Personenkreise ist. Es zeigt in jedem Fall, wie unglaublich komplex und vielschichtig unser Alltag ist, ohne dass wir es wahrnehmen. Zu Beginn des Jahres war eins der Topschlagwörter „systemrelevante Berufe“. Sicher gibt es Jobs, Institutionen oder Unternehmen, die eine besonders hohe Auswirkung auf das gemeinsame Leben aller haben. Man schaue ins Gesundheitswesen, zu den vielen technisch relevanten Berufsgruppen bis hin zu Pädagogen – alle von Ihnen sind sicher „systemrelevant“. Doch ist unser Ökosystem mittlerweile nicht deutlich komplexer geworden? Wollen wir nicht mehr, als nur den „funktionierenden Alltag“?

Was 2020 mir beigebracht hat

Ich bin sicher nicht mit jeder getroffenen Maßnahme glücklich. Und ich freue mich unheimlich darauf, mal endlich wieder mit Freunden zu feiern, ins Kino zu gehen oder einfach in ein Schwimmbad, ans Meer, irgendwohin reisen zu können ohne Auflagen. Doch auf der anderen Seite musste ich vor einigen Jahren Abschied von sehr geliebten Menschen nehmen und weiß, wie schwer so etwas sein kann. Doch weder ich noch jemand anders musste mit sich und seinem Gewissen ausmachen, ob er oder sie eine Schuld oder Mitschuld an einer schweren Erkrankung, gar dem Tod der geliebten Menschen trägt. Ich möchte jedem Leugner der Pandemie daher die Frage stellen, ob er oder sie sich genau so hirnlos verhalten würden, wenn ihre eigene Verwandtschaft, vielleicht der Vater oder die Mutter, der Onkel, die Oma, das eigene Kind aufgrund der Missachtung von Schutzmaßnahmen einen vielleicht sogar tödlichen Schaden nimmt.

Achtsamkeit

Ich möchte so etwas weder für meine Liebsten, noch für die von Anderen. Zudem hilft es, sich mal auf sich, das Wesentliche, die Kleinigkeiten im Leben zu besinnen, was viel zu oft in der Hektik des Alltags untergeht. Der Stille einer leeren Autobahn lauschen, die Schönheit der Natur mit allen Sinnen wahrnehmen – all das tun wir viel zu selten und nehmen es für viel zu gottgegeben hin.

Auch ohne Pandemie, Einschränkungen und Entbehrungen kann man achtsam sein. Allerdings wird einem der Wert der Achtsamkeit erst in Momenten der Entbehrung, des drohenden Verlustes oder des bereits geschehenen Verlustes bewusst.

Um so mehr habe ich es genossen, seit langem mal wieder Gitarre zu spielen, einfach nur Musik zu hören, in der Natur den Wind und die Sonne zu spüren – selbst Regen fühlt sich toll an, wenn man es zulässt.

Der Wert der eigenen Sinne

Viel nimmt man nebenbei wahr, oft erlebt man es, dass Musik, Film, Fernsehen, Unterhaltung, Licht, Sonne, Kälte, frische Luft oder der erfrischende Wind nebenbei geschehen. Es wird einfach konsumiert. Doch erst wenn man sich dessen bewusst wird, welch unglaublich tollen Reize unsere Umwelt bietet, nimmt man es wirklich wahr. Das Augenlicht, das Hören, das Fühlen, das Riechen und Schmecken – all das ist uns allgegenwärtig, aber wird nicht für seine Existenz bewundert. Sondern meist regt man sich auf, dass etwas nicht gut riecht, es zu hell oder zu dunkel, zu bitter oder süß ist. Ich habe in vielerlei Hinsicht meine eigenen Sinne neu für mich entdecken können, als die ersten Einschränkungen sich bemerkbar machten. Trotz vieler Untersuchungen habe ich keine finale Diagnose, aber weiß mindestens, dass ich das, was mir gegeben worden ist, von nun an intensiver wahrnehme, mehr Acht gebe. Und ich kann es jedem nur raten, sich ebenfalls damit zu befassen.

Die Welt ist eine empfindliche Pflanze

In 2020 ist durch eine erhebliche Senkung des gesamten Verkehrs die Natur an vielen Stellen zu neuer Kraft gekommen. Viele maximal-touristischen Orte konnten sich von den Menschenmassen erholen, die Jahr für Jahr dort langlaufen. Vielleicht hat das Jahr gar nicht nur Schlechtes mit sich gebracht, sondern neue Chancen und einen sehr deutlichen Wink aus der Natur, wie sehr sie mal Erholung nötig hatte gebracht. Neben Mikroplastik, Klimaschutz und einem generellen Umweltbewusstsein sollte man sich dessen immer bewusst sein, wenn man dann wieder reist. Manchmal ist weniger mehr.

Menschlichkeit und Nähe auf Distanz

In Zeiten, in denen die Welt auf Distanz gehen musste, gab es dennoch oder gerade deshalb viel Menschlichkeit, viel Herzerwärmer, viel Lachemache, viel Dankbares. 2020 war nicht nur das Jahr, in dem alle voneinander wegrückten, sich entfernten. Durch HomeOffice, viel Gemeinsamzeit von Familien und einige kreative Köpfe hinter verschlossenen Türen, hinter denen mit Webcam oder Smartphone sehr viel Menschliches den Weg nach draußen geschafft hat. 2020 war auch das Jahr, in dem der Oben-Hemd-Unten-Shorts-Style und die Jogginghose nicht gleich als salonfähig aber zumindest als arbeitsfähig galten und es nicht mehr verschrien sondern liebenswürdig und vollkommen normal war, dass das Kind im Remotecall schreiend oder plappernd ins Arbeitszimmer kamen – oder das aus der Not heraus das Kinderzimmer mal eben zum Arbeitszimmer umfunktioniert wurde.

Zum Teil sind Freundschaften über weite Entfernungen wieder aufgeblüht, weil man sich einfach spontan digital zusammengefunden hat, statt immer zu sagen „ja, wir müssten uns auch mal wieder sehen“ und es doch zu keinem Treffen kommt. Für vieles wurden neue Wege gefunden, weil sie gefunden werden mussten. 2020 war insofern auch ein Innovationsjahr. Für jeden von uns auf ganz unterschiedliche Weise. Wo sich die Mutter oder der Vater lange gegen Technik und diese sozialen Medien gewehrt hat, waren Videocalls plötzlich total angesagt, es wurde viel gefragt und gelernt rings um das Digitale – auch wenn Schulen und Behörden lange nicht als wirklich digitalisiert gelten dürfen, es wurden Unternehmen offen für neue Bestellverfahren wie „Click & Collect“ oder Ähnliches, was vorher einfach keinen Nutzen oder keinen Anklang fand, wurde 2020 aus der Not heraus plötzlich hip.

… was nimmst Du aus dem Jahr 2020 für Dich mit?

Ich denke, es gab viel zu lernen im Jahr 2020. Gibt es Erkenntnisse, die Du aus dem Jahr mitgenommen hast? Ich freue mich über einen „kontaktlosen Austausch“ in den Kommentaren!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.