Messenger – keiner ist perfekt

Ein Statement. Mein Statement. Für die technische Einordnung haben die Jungs und Mädels von Appvisory bereits eine grundlegende Empfehlung zu technisch guten Alternativen ausgesprochen, bei der ich weitestgehend mitgehe. Lest hier (externer Link) gern mehr.

Mein Entschluss steht fest

Mir geht die Facebook-Politik seit einiger Zeit auf den Zwirn und ich mag die aktuellen Schritte nun einfach nicht mehr mitgehen. Mich gibt’s zwar bei Facebook, allerdings schaue ich so selten da rein und ich nutze – bis bisher auf WhatsApp – keine Facebook-Apps, dass kaum Datensätze in aktueller Form dort zustande kommen können. Eigentlich. Denn wenn man mal unter die Haube schaut, sieht man erst, wie widerlich es ist, wie viele Daten sie nebenbei abziehen – und nun soll jeder bis 8.2. zustimmen und „angeblich soll es gar nicht genutzt werden“ – doch dadurch wird der grundsätzliche Austausch aller Facebook-Dienste untereinander zulässig. In weiten Teilen war es das bereits schon der Fall, es ist auch nicht der erste Versuch meinerseits, mich dem abzuwenden.

Eigenartigerweise wurde für die EU eine eigene Fassung der neuen Datenschutzbedingungen von Facebook bzw. WhatsApp geschaffen, doch ich frage mich, warum ein Konzern sich die Mühe macht – und die Kosten in Kauf nimmt, um angeblich nie zur Geltung kommende Änderungen zu propagieren und jeden Nutzer dazu zu nötigen, diesem Punkt zuzustimmen. Für mich ist das nicht nachvollziehbar und nun der finale Schuss ins Aus.

Zudem wurde vom Facebook-Konzern und Herrn Zuckerbrot mehrmals die Unterstützung Richtung Behörden forciert, angeblich verschlüsselte Chats etc. auszuwerten. „Eigentlich ja was Gutes“ könnte man meinen. Doch leider ist – vor allem in den USA – nicht alles, was gut scheint auch wirklich gut. Man denke an die peinlichen Standards und Implementierungen in Sachen Kryptologie, die bewusst von den amerikanischen Behörden in Zusammenarbeit vor allem mit der NSA, die über Jahre hinweg eine Scheinsicherheit erzeugt haben – nur, weil sie nicht in der Lage gewesen wären, die Verschlüsselung selbst wieder aufzubrechen. Man machte sowas schnell unter dem Deckmantel „Terrorschutz“ und „zum Schutz der nationalen Sicherheit“ salonfähig und schon war ein Standard mit Hintertürchen – und grottenschlechter Verschlüsselung geschaffen. Zudem gibt es Programme, wie PRISM (externer Link), die die Behörden nicht wirklich gut dastehen lassen, wenn man Wert auf eines unserer höchsten Güter, die Freiheit und Selbstbestimmung legt.

Open Source – und doch hat jeder seine Querelen

Telegram ist zwar in Russland entwickelt worden, aber da Threema den meisten Anwendern zuviel technisches Verständnis abverlangt, aber die höchste Datensicherheit bietet, finden sich dort nach wie vor leider zu wenig Peers wieder. Mittlerweile sind beide Messenger – inklusive Signal – Open Source.

Signal ist als Messenger sicher ebenfalls nicht schlecht, Open Source, einige nutzen es schon, aber es ist bei mir leider bisher nur instabil gewesen, bietet noch nicht so viele Features. Ich muss dazu sagen, dass ich seit es sie gibt, die Gruppierungsfunktion bei telegram lieben gelernt habe und auch Signal wird trotz der Quelloffenheit von der amerikanischen Regierung finanziert. Alle anderen Messenger sind aus meiner Sicht nicht wirklich brauchbar, da sie technisch nicht ausgereift, wenig Funktionen bieten, Datenschutz oft leider ein Fremdwort ist. Wer es übrigens noch nicht wusste: Die Kommunikation über das bei jüngeren Nutzern beliebte SnapChat ist vollständig unverschlüsselt und kann jederzeit mitgelesen werden. Leider gilt das auch noch für Chats bei telegram, die nicht als „secret chat“ oder „Geheimer Chat“ gestartet worden sind (erkennbar am grünen Schloss in der Chatliste bei dem Kontakt).

„… aber nutz doch WhatsApp!“

Nein. Mittlerweile nicht mehr. Und ich habe auch keine Lust mehr auf Diskussionen mit Leuten, die denken, sie wären der Gott des (Halb-)Wissens, nur weil sie mal einen Artikel in einer Computer Bild o.Ä. gelesen haben.

Der Hauptkritikpunkt an der Thematik rund um WhatsApp ist, dass sich WhatsApp ab sofort den Austausch teils sehr sensibler Daten mit dem Facebook-Konzern, insbesondere zu Werbezwecken, erlaubt. Zu diesen Daten zählen unter anderem die Telefonnummern, Transaktionsdaten, IP-Adressen und weitere Kommunikationsparameter oder allgemeine Informationen darüber, wie der Nutzer mit anderen (einschließlich Unternehmen) kommuniziert.

„Aber dann erreiche ich Dich nicht mehr“

Nein, Quatsch. Naturlich bin ich erreichbar. Aber nicht mehr über den gewohnten Weg. Wem das nicht passt, der kann sich entscheiden, ob ihm der Kontakt zu einer Person oder das eigene Sicherheitsempfinden das wert ist, sich mit anderen Messengern auseinanderzusetzen, oder man muss auf althergebrachte Wege zurückgreifen. Sicher ist das mit etwas Aufwand verbunden, sollte man bestehende Chats oder Verläufe sichern wollen – hier scheint übrigens der Konzern eine künstliche Hürde geschaffen zu haben. Die Export-Funktion der Chats und Medien in iOS verschwand nämlich im Rahmen der letzten Updates. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Mein Fazit – eine Momentaufnahme

Natürlich gibt es für jeden Messenger ein Für und Wider. Dennoch habe ich mich dazu entschieden, dem Facebook-Konzern nicht noch mehr minutenaktuelle Daten zu liefern. Diese Entscheidung kann, darf und soll bitte jeder für sich treffen. Ich appelliere an alle Missionare da draußen, die täglich versuchen, Leute zu etwas zu bewegen, was sie eigentlich nicht wollen: Lasst das! Akzeptiert eine Entscheidung und reflektiert dabei vielleicht die eigenen Umstände.

Community is King

Leider lebt oder stirbt ein Messenger mit der Community, die ihn belebt. Ist niemand da, um zu kommunizieren, kann die beste Verschlüsselung, das schönste Interface und die praktischsten Features nichts bewirken. Ich möchte niemanden „zu einer Seite bekehren“ oder dazu aufrufen, etwas aus Prinzip zu boykottieren. Vielmehr möchte ich bei jedem Einzelnen ein Bewusstsein für das freie Handeln eines Jeden, eigene Entscheidungen und das Hinterfragen und das unabhängige Informieren wecken.

Ich werde weiterhin über telegram und Threema erreichbar sein, zeitweise einen Blick auf Signal und deren Entwicklung werfen – und vielleicht taucht ja ein neues Einhorn im Zauberwald der Messenger auf, bei dem sich wieder alle die Frage stellen dürfen: Reite ich diesen Gaul auch weiter, nur weil er grade im Mondschein glänzt? Man muss nicht jeden Trend mitmachen, doch manche Entscheidungen ziehen Trendwenden nach sich. Mein Fazit bleibt unterm Strich:

Kein Messenger ist perfekt.

Die Messenger-Manie finde ich langsam nervig. Es gibt so viele Optionen und dennoch keine perfekte Lösung. Lasst mich wissen, wie ihr damit umgeht!

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