Gewohnheiten und Alltagsrituale

Was ist es, das uns antreibt und voranbringt? Vermutlich nicht jeden Tag das Gleiche. Der alte Trott, den wir schon zig mal erlebt haben. Aber warum ist es so wichtig, dass wir eben genau diesen haben?

Alles im Gleichgewicht

Wenn wir mal realistisch sind, ist es wichtig, eine Ausgeglichenheit im Alltag zu erreichen oder zu halten. Ob die 50-100km mit dem Fahrrad, der Marathon auf eigenen Sohlen oder ein Arbeitstag – alles kann seinen Reiz und seine Erfüllung mit sich bringen, doch selbst der trainierteste Radfahrer oder Läufer und der engagierteste Teamkollege hat irgendwann einen Punkt erreicht, ab dem ein Ausgleich notwendig ist. Und genau darum geht es. Ein Gleichgewicht zu schaffen, die Balance zu halten. Aber nicht dieses Mal. Sondern darum, wie Rituale und Alltagsroutinen uns das Tagewerk erleichtern können.

Das Gerüst, das uns Halt gibt

Ob wir nun grade auf etwas hintrainieren, einen wichtigen Termin vor uns haben oder einfach wieder mal viel gleichzeitig über uns hereinbricht – ein Gerüst gibt Halt und hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ein Dachdecker soll schließlich das Dach decken und nicht nur mit dem Halten der Balance beschäftigt sein. Darum nimmt dieser sich ebenfalls ein Gerüst zuhilfe.

Genauso ist es mit Gewohnheiten und Ritualen im Alltag. Auch wenn es für manche vielleicht nervig scheinen mag, sich einige Tage bevor man wegfährt, Gedanken darüber zu machen, was man einpackt oder am Abend vorher die Dinge rauszulegen, die den nächsten Tag wichtig sind, sind es genau diese Dinge, die uns die Struktur geben, die wir brauchen. Manche mehr, manche weniger – aber jede(r) auf seine Weise.

Strukturiert lebt es sich einfacher

In vielerlei Hinsicht ist ein strukturiertes Leben einfacher. Ja, das Genie beherrscht das Chaos – aber wenn man gar nicht erst Zeit zum Herrschen über das Chaos aufwenden muss, hat man wieder Zeit gewonnen, sich mit Relevantem oder das was das Leben lebenswert macht zu befassen.

Man muss sicher nicht alles von Anfang bis Ende durchstrukturieren, dennoch gibt es Stellschrauben, die eben dieses Gerüst, das Geländer, das da ist, wenn man es braucht, sehr stärken. Das Maß, wie viel von dem Gerüst man braucht und ab wann das Gerüst zu viele Streben zum Durchgehen hat, muss jeder und jede für sich definieren.

Energien bündeln, Zeitfresser enttarnen

Wie viel Zeit dauert das Aufstehen und Fertigmachen für einen üblichen Tag? Welche Tätigkeiten sind darin bereits in eine Routine übergegangen? Fragen wie die folgenden stellt man sich wohl kaum jeden Morgen. Wie viel Zahnpasta ist die richtige Menge? Warum haben die Borsten unterschiedliche Farben? Heute doch mal eine andere Zahnpasta?

Doch eben genau solche Fragen stellen sich viele Leute morgens vor dem Kleiderschrank. Oder vor dem Frühstücksschrank. Heute lieber Marmelade oder Honig? Oder ganz verrückt – Müsli? Warum so viel Zeit in Nebensächlichkeiten stecken?

Alltagsrituale schaffen Struktur und Freiraum

So wie der Schulterblick oder das Schalten beim Auto- und Fahrradfahren Routinen sind und wir uns auf den fließenden Verkehr einstellen können, verhält es sich auch mit Ritualen, die man im Alltag einbaut. Keine spirituellen. Also wer mag auch die, aber es geht dabei nicht um Überirdisches. Sondern um eine Automatisierung des Alltags – wo es sinnvoll ist. Wenn der Alltag nur noch aus Ritualen besteht, bleibt kein Raum mehr für Freiheit, eigene Projekte, Familie oder Freunde.

Es geht dabei meist um Kleinigkeiten, Dinge, die wir eigentlich wissen, uns aber Unarten angewöhnt haben oder der faule Hund durchkommt. Wenn ich etwas benutze, lege ich es nach der Benutzung wieder zurück an seinen Platz. Nicht irgendwo in die Wohnung. Wenn ich keine Lust auf große Berge Abwasch habe, wasche ich jedes Mal, wenn ich die Küche betrete 3 Teile ab. Somit verringert sich der Berg an abzuwaschenden Sachen automatisch und die Hürde, überhaupt abzuwaschen ist geringer, da der Abwasch nicht jedes Mal eine halbe Stunde, sondern vielleicht nur zwölf Minuten dauert.

Jeder von uns findet vermutlich mindestens ein, zwei Situation wieder, die darauf passen. Leute, werdet einfacher bei einfachen Dingen und steckt Eure Energien in komplexe Fragestellungen oder Aufgaben. Und schafft euch Selbstmotivatoren, die Eure Hürde, Ungeliebtes zu tun, senken. Es erleichtert in jedem Fall, den Fokus auf Wichtiges zu behalten und wenn man ihn hat nicht zu verlieren. Wirklich.